Unterstufentheater – Handstand

Im Handstand – September 2026

Was passiert, wenn man im Handstand steht? Man hat auf einmal einen anderen Blick auf die Welt und die Menschen, die einen umgeben. Es ist ein Perspektivwechsel, der die gewohnte Sicht auf die Dinge auf den Kopf stellt. Diesen Perspektivwechsel thematisiert das Stück „Im Handstand“, in dem verschiedene lose verknüpfte, absurde, groteske und karnevaleske Szenen aneinandergereiht werden, die die Erwartungen der Zuschauer durchkreuzen und übliche Denkmuster aufbrechen: Über die Bühne huschen Spinnen, die Angst vor Menschen haben, seit Tante Thekla auf Nimmerwiedersehen in einem riesigen Staubsaugerbeutel verschwunden ist. In einer anderen Szene pochen Schülerinnen und Schüler auf ihr Recht auf Unterricht und müssen eine Lehrerin dazu überreden, endlich mit der Syntaxanalyse zu beginnen und insgesamt mehr Hausaufgaben aufzugeben. Eine Lehrerin wird im Lehrerzimmer, in dem Kaugummis unter Stühlen kleben, Noten ausgewürfelt, Haare geflochten und Bottleflips geübt werden, heftig gemobbt. Knecht Ruprecht, der den Kindern alles verzeiht (verknotete Katzenschwänze, von Chatbots erledigte Hausaufgaben und manipulierte Nutzungszeiten für Smartphones), verteilt im September großzügig Geschenke, weil er unbedingt anderen eine Freude machen möchte. Ein Vater übernimmt ganz selbstverständlich zu Hause die Rolle, die typischerweise der Mutter zugeschrieben wird und erhält dafür kaum Dank und Anerkennung. Ein Clown wünscht sich, mit anderen zu lachen und wird traurig, wenn andere über ihn lachen. Affen begaffen Menschen im Zoo und stellen fest, dass der Mensch sich für viel zu wichtig nimmt und dumm genug ist, um sich selbst auszulöschen. Außerirdische sind sich ganz sicher, dass sie alleine im großen Universum leben und erkennen, dass die Existenz an sich ein riesengroßes Glück ist. Humanoide Roboter befürchten, dass bald die Menschen die Weltherrschaft übernehmen werden. Eine sportliche Oma, die Kickboxerin ist, Hüllen für Kaleidoskope strickt und diese online zum Verkauf anbietet, wirft ihrer Tochter und ihren Enkeln eine viel zu starre, rückwärtsgewandte und konservative Haltung vor. Schließlich wird eine leicht depressive Hypnotiseurin von einem Kind in Trance versetzt und hat nach der Behandlung einen ganz anderen Blick auf die Welt.

Mögen die Szenen auch komisch, absurd oder grotesk anmuten, so verbirgt sich in vielen von ihnen doch ein wahrer Kern, der zum Nachdenken anregt – zumal einige der Szenen auf der Basis von Zeitungsberichten entstanden sind, die teilweise auch im Programmheft abgedruckt waren.

„Im Handstand“ ist ein Stück wie ein Blick durch ein Kaleidoskop, der uns zeigt, wie bunt, veränderbar und vielseitig interpretierbar die Welt ist, in der wir leben.

Ein herzliches Dankeschön geht wieder einmal an das großartige, flexible, bestens eingespielte Technikteam und dieses Mal insbesondere auch an Michael F., der zum ersten Mal hauptverantwortlich für die Beleuchtung war.