Exkursion an den Erinnerungsort BADEHAUS
Unsere Exkursion an den Erinnerungsort BADEHAUS in Waldram
Von Melanie Lorenz und Veronika Moosmair (Q 12)

Am Mittwoch, den 23. Juli 2025, unternahmen die 11.Klassen angebunden an die sogenannte „Verfassungsviertelstunde“ und im Rahmen der Demokratieerziehung mit Lehrkräften unterschiedlicher Fächer eine Exkursion zum BADEHAUS in Waldram bei Wolfratshausen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht, wie der Name zunächst vermuten lässt, um ein Schwimmbad, sondern um einen Erinnerungsort, der die Geschichte des 2. Weltkriegs und die Nachkriegszeit im ehemaligen Föhrenwald beleuchtet.
Nachdem wir in einer vorausgehenden Unterrichtsstunde von unseren Lehrkräften in einer Verfassungsviertelstunde auf den Besuch vorbereitet worden waren, wurden wir klassenweise durch das 2018 eröffnete Museum geführt. Das BADEHAUS war ein Haus mit einem jüdischen Ritualbad, einer „Mikwe“, d.h. ein ritueller Ort zur Waschung für sogenannte Displaced Persons (DPs), also Juden, die nach dem Krieg keine Heimat mehr hatten. Die Zeit, in der Föhrenwald als Auffanglager für die DPs verwendet wurde, stellt jedoch nur eine von drei Zeitschichten dar, die diesen Ort geprägt haben. Deshalb führte unsere Zeitreise durch drei zentrale Räume: Im ersten Raum erfuhren wir mehr über das ehemalige Badehaus selbst, das in der NS-Zeit ab 1940 Teil eines großen Barackenlagers war. Viele Menschen, die hier lebten, waren Opfer von Zwangsarbeit. In Munitionsfabriken mussten diese Rüstungsarbeiter ihre Gesundheit im Dienst für die NS riskieren, da die Arbeit mit der Munition und den Chemikalien gefährlich war. Die Gebäude selbst waren deshalb so unauffällig wie möglich gehalten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Der regionale Bezug machte das Thema für viele greifbarer, es wurde klar, dass die Verbrechen nicht nur irgendwo stattfanden, sondern ganz in der Nähe unseres heutigen Alltags. Im zweiten Raum wurde uns über das jüdische Leben in Föhrenwald berichtet. Dieses begann erst nach dem 2.Weltkrieg, als das Lager unter den amerikanischen Befreiern zum Auffanglager für die Überlebenden des Todesmarschen sowie der jüdischen DPs umfunktioniert wurde. Diese Personen fanden in Föhrenwald ein neues Zuhause.
Das dritte Zimmer zeigt den Zeitabschnitt ab 1956, als die katholische Kirche das Gebiet des Lagers aufkaufte und als neue Heimat für katholische Heimatvertriebene verwendete. Beeindruckend waren für viele auch die Zeitzeugengespräche und Originalberichte, die per Audio oder Video präsentiert wurden. Auch der Außenbereich war spannend zu sehen, da dort
Fotos ausgestellt waren, die Kinder im jüdischen Displaced Persons Lager und Kinder in der Zeit Waldrams im Vergleich zeigten. Nach der Führung durften wir uns im Museum
selbstständig umsehen und weitere Eindrücke sammeln. Zum Abschluss wurde eine Dokumentation gezeigt, in der auch eine Zeitzeugin zu Wort kam. Sie beleuchtete das Leben der DPs nach dem Krieg und wie sie trotz allem versuchten, in Waldram ein neues Zuhause aufzubauen.

Der Tag bot uns interessante Einblicke in die belebte und vielfältige Geschichte Föhrenwalds bzw. Waldrams. Dieser Ort war geprägt von Zwangsarbeit und Unterdrückung in der NS-Zeit, wurde aber nach dem 2. Weltkrieg zu einer neuen Heimat für die DPs und später für die katholischen Heimatvertriebenen. Diese gegensätzliche Verwendung des Ortes und auch die damit einhergehende Veränderung der Straßennamen bzw. letztendlich auch des Ortsnamens waren spannend zu sehen, und auch, wie sich dieser Ort innerhalb von 20 Jahren so tiefgreifend verändert hat. Diese Exkursion mit Bezug zu den regionalen Ereignissen rund um das Kriegsende war ein gelungener und bereichernder Ausflug für das Erinnern und gegen das Vergessen, insbesondere, da sich das Ende des 2. Weltkriegs in diesem Jahr zum 80. Mal jährt.



