{"id":3125,"date":"2025-03-01T11:43:41","date_gmt":"2025-03-01T11:43:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gym-toelz.de\/?p=3125"},"modified":"2025-12-03T11:52:45","modified_gmt":"2025-12-03T11:52:45","slug":"verantwortung-tragen-erinnerung-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gym-toelz.de\/index.php\/2025\/03\/01\/verantwortung-tragen-erinnerung-bewahren\/","title":{"rendered":"Verantwortung tragen, Erinnerung bewahren"},"content":{"rendered":"<p>Verantwortung tragen, Erinnerung bewahren<\/p>\n<p>Zeitzeuge Roman Haller zu Besuch am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Bad T\u00f6lz<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Jugend, die Jugend ist es, die eine Zukunft vor sich hat und die Verantwortung hat, dass sowas<br \/>\nnie mehr passiert.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit diesen eindringlichen Worten begann Roman Haller seinen Besuch an unserer Schule am 24. M\u00e4rz 2025. Nach der Filmvorstellung von Irena\u2019s Vow, die wir als Q12 auf Englisch sehen durften, hatten wir die M\u00f6glichkeit, mit ihm in einer offenen und entspannten Gespr\u00e4chsrunde \u00fcber seine Geschichte zu sprechen. Sein Besuch war eine beeindruckende und bewegende Erfahrung, die uns allen die abscheulichen Gr\u00e4ueltaten des Nazi-Regimes auf tief gehende Weise n\u00e4herbrachte und uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.<br \/>\nDer Film basiert auf den Erinnerungen von Irena Gut-Opdyke und Haller best\u00e4tigte: Die dargestellten Ereignisse sind wahr. Die Geschichte, die uns der Film erz\u00e4hlte, spielte sich genauso ab. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs entschied sich die junge polnische Haush\u00e4lterin Irena, 12 Juden in einem<br \/>\ngeheimen Raum im Keller des Hauses eines deutschen Majors zu verstecken. Sie riskierte ihr Leben, um Menschen zu retten \u2013 darunter auch Hallers Eltern.<br \/>\nHaller berichtete von der Zeit, die seine Eltern im Ghetto verbringen mussten. Rund 13.000 Menschen lebten dort auf engstem Raum, doch die gr\u00f6\u00dfte Last war nicht die Raumnot, sondern die st\u00e4ndige Angst: die Angst vor Selektion, vor Deportation, vor dem Tod. Beide Elternteile wurden zur Zwangsarbeit gezwungen \u2013 sein Vater zu schweren Bauarbeiten, seine Mutter musste die Uniformen der Nazis in m\u00fchsamer Handarbeit waschen. Die T\u00e4tigkeiten hatten nichts mit ihren eigentlichen Berufen zu tun, doch sie mussten sich, wie viele andere Juden, f\u00fcgen, um zu \u00fcberleben.<br \/>\nAls sich die Situation weiter zuspitzte und es im Haus des Majors nicht mehr sicher war, ging Irena noch einen Schritt weiter: Sie versteckte die 12 Menschen in einem Wald bei Tarnopol (damals Polen\/ heute Ukraine), in einem notd\u00fcrftig eingerichteten Bunker. In diesem Bunker wurde Roman<br \/>\nHaller geboren \u2013 mit Hilfe eines ukrainischen F\u00f6rsters, da es keinen Arzt gab, dem sich Irena anvertrauen konnte. Doch die Geburt blieb nicht unumstritten, so diskutierten die 12 Versteckten wohl schon vor der Geburt \u00fcber eine Abtreibung oder dar\u00fcber, ob man das Kind nach der Geburt am Leben lassen solle. Hintergrund dieser Diskussionen war die Angst, durch das nicht vorhersehbare oder kaum beeinflussbare Verhalten entdeckt zu werden und somit den Nazis hilflos ausgeliefert zu sein. Am Ende entschied man sich dann gl\u00fccklicherweise f\u00fcr das Leben Roman Hallers. Die Rettung kam kurz nach der Geburt: Die Rote Armee befreite die Gruppe und schenkte ihnen eine Zukunft.<br \/>\nNach dem Krieg begannen f\u00fcr Hallers Eltern neue Herausforderungen. Wie viele andere \u00dcberlebende wollten sie Europa verlassen, am liebsten nach Amerika. Doch, wie uns Haller erz\u00e4hlte, war ein Visum schwer zu bekommen, und der Prozess dauerte bei manchen \u00fcber zw\u00f6lf Jahre lang. In der Zwischenzeit lebten sie in einem Auffanglager in M\u00fcnchen-Freimann, fanden eine Wohnung in M\u00fcnchen am Romanplatz und bauten sich ein neues Leben auf. Als das Visum nach drei Jahren endlich genehmigt wurde, war es wohl zu kurzfristig &#8211; sie blieben in M\u00fcnchen, bis zu ihrem Tod.<br \/>\nUnd was wurde aus Irena? Lange Zeit wusste Haller nichts \u00fcber ihr Schicksal. Erst in den 1990er Jahren bekam er \u00fcberraschend einen Brief aus Los Angeles, wo Irena nun lebte. So fanden sie wieder zusammen, besuchten sich und hielten den Kontakt. Auch der Major, der Irena als Haush\u00e4lterin besch\u00e4ftigt hatte und sie schlie\u00dflich unterst\u00fctzte, blieb f\u00fcr Haller eine wichtige Figur. Er sah ihn nach dem Krieg als Gro\u00dfvater und freute sich immer, wenn er die Familie besuchte. Auf die Frage, warum der Major nach dem Krieg nicht als Nazi verhaftet wurde, erkl\u00e4rte Haller, dass der Major nachweislich \u00fcdisches Leben gerettet hatte. Er war im Ghetto lediglich f\u00fcr den Fuhrpark zust\u00e4ndig gewesen \u2013 f\u00fcr<br \/>\nHaller war er kein T\u00e4ter, sondern ein Mensch, der, wenn auch beiden Seiten, geholfen hat. Besonders eindr\u00fccklich war der Moment, als Haller schilderte, wie seine Eltern nach der Befreiung mit den Deutschen umgingen. Misstrauen war \u00fcberall. Wer war diese Person auf der Stra\u00dfe? Hatte sie etwas mit dem Leid der Familie zu tun? Seine Mutter wich jahrelang Uniformierten aus, wechselte die Stra\u00dfenseite, sobald sie Polizisten sah. Erst mit der Zeit lie\u00df die Angst nach. Hass jedoch, betonte<br \/>\nHaller, trugen seine Eltern grunds\u00e4tzlich nicht in sich. Gedenkkultur und Erinnerung sind Haller auch heute noch ein wichtiges Anliegen. Er appellierte an uns, Verantwortung zu \u00fcbernehmen und sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Dabeisei es essenziell, sich nicht nur informieren zu lassen, sondern Informationen kritisch zu hinterfragen \u2013 besonders in unserer heutigen digitalen, schnelllebigen Welt.<br \/>\nEinen Satz wollte Haller uns zum Abschluss der Gespr\u00e4chsrunde jedoch nicht vorenthalten und ich m\u00f6chte diesen Ihnen, geehrte Leserinnen und Leser, sowie euch, liebe Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fcler, gerne ebenfalls mit auf den Weg geben. Er stammt von der Holocaust-\u00dcberlebenden Margot Friedl\u00e4nder, die sagte: \u201eWir sind alle gleich \u2013 es gibt kein christliches, muslimisches, j\u00fcdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut.\u201c<\/p>\n<p><em>Fidel Schwichtenberg, Q12<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3124 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/geschichte-zeitungsartikel-holocaust-haller24.jpg\" alt=\"\" width=\"670\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/geschichte-zeitungsartikel-holocaust-haller24.jpg 787w, https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/geschichte-zeitungsartikel-holocaust-haller24-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/geschichte-zeitungsartikel-holocaust-haller24-768x465.jpg 768w, https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/geschichte-zeitungsartikel-holocaust-haller24-705x426.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 670px) 100vw, 670px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verantwortung tragen, Erinnerung bewahren Zeitzeuge Roman Haller zu Besuch am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Bad T\u00f6lz \u201eDie Jugend, die Jugend ist es, die eine Zukunft vor sich hat und die Verantwortung hat, dass sowas nie mehr passiert.\u201c Mit diesen eindringlichen Worten begann Roman Haller seinen Besuch an unserer Schule am 24. 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