{"id":725,"date":"2025-06-07T14:59:34","date_gmt":"2025-06-07T14:59:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gym-toelz.de\/?page_id=725"},"modified":"2025-07-14T15:25:54","modified_gmt":"2025-07-14T15:25:54","slug":"gabriel-von-seidl","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gym-toelz.de\/index.php\/unsere-schule\/ueber-uns\/geschichtliches\/gabriel-von-seidl\/","title":{"rendered":"Gabriel von Seidl"},"content":{"rendered":"<h3>Gabriel von Seidl<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-735 alignright\" src=\"https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/vonSeidl.jpg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"214\" \/>Dem Namensgeber des T\u00f6lzer Gymnasiums verdankt die Stadt Bad T\u00f6lz in ganz entscheidenden Teilen ihr heutiges Gesicht. Er dr\u00fcckte im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vielen Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen der Stadt seinen unverwechselbaren Stempel auf. So ist die Marktstra\u00dfe, die heute zu einem der sch\u00f6nsten baulichen Ensembles des Oberlands z\u00e4hlt und in zahllosen Publikationen als Blickfang f\u00fcr die Stadt und Region wirbt, erst durch das Wirken Gabriel von Seidls zu dem geworden, was sie heute ist. Aus einem vorher recht chaotisch wirkenden Durcheinander verschiedener Baustile und Erhaltungszust\u00e4nde der H\u00e4user formte er das von f\u00fcr seine Architektur typischen Giebeln gepr\u00e4gte geschlossene Bild und die noch heute g\u00fcltige Struktur dieses Herzst\u00fccks von Bad T\u00f6lz. Ausgestattet mit ungeheurem Formgef\u00fchl und unterst\u00fctzt von dem einheimischen Baumeister Peter Freisl baute er um 1900 H\u00e4user um und gestaltete Fassaden neu (Rathaus, Marktstra\u00dfe 1, 17, 41, 43, 59, Marienstift). Seine teils restaurierenden, teils historisierenden Ma\u00dfnahmen lie\u00dfen eine einheitliche barocke Eleganz des Stra\u00dfenbildes mit vielen liebevollen Detaill\u00f6sungen entstehen, die der urspr\u00fcngliche, vorwiegend aus dem 15. bis 18. Jahrhundert stammende Baubestand nicht hatte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-731 alignleft\" src=\"https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kurhaus.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"127\" \/><span style=\"font-size: 10pt;\">Kurhaus Bad T\u00f6lz<\/span><\/p>\n<p>Im jenseits der Isar gelegenen Badeteil von Bad T\u00f6lz schuf Gabriel von Seidl die Pl\u00e4ne f\u00fcr den Musikpavillon, das heutige Haus des Gastes und insbesondere f\u00fcr das elegante Kurhaus, das er allerdings nicht mehr selbst vollenden konnte. In Bad T\u00f6lz und in der n\u00e4heren Umgebung zeugen viele Privath\u00e4user von der weiteren Baut\u00e4tigkeit Gabriel von Seidls in der Region.<\/p>\n<p>In M\u00fcnchen am 9. Dezember 1848 geboren und daselbst am 27.4.1913 verstorben, machte Gabriel von Seidl Bad T\u00f6lz zu seinem Wohnsitz und zu seiner zweiten Heimat. Die Stadt verlieh ihm 1903 in Anerkennung seiner Verdienste das Ehrenb\u00fcrgerrecht, um auf diese Weise die Verehrung und Hochachtung, die ihm in Bad T\u00f6lz entgegengebracht wurde, zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Die Bedeutung Gabriel von Seidls ersch\u00f6pft sich allerdings nicht in seiner T\u00e4tigkeit in Bad T\u00f6lz. Als bedeutendster Vertreter der eklektizistischen Architektur und des Historismus in M\u00fcnchen pr\u00e4gte er unter dem Patronat des Malers und Kunstpapstes Franz von Lenbach eine Generation lang das Bauwesen der Stadt. In zahlreichen, heute sehr popul\u00e4ren Bauten schuf er \u00e4u\u00dferst pers\u00f6nliche und originelle L\u00f6sungen im Sinne malerischer Baugruppen. So ber\u00fccksichtigen seine Pl\u00e4ne f\u00fcr das Bayerische Nationalmuseum (1894-99) in der Gestaltung der einzelnen S\u00e4le die dort auszustellenden Objekte und die Epoche, aus denen sie stammen, bereits in ihrer baulichen Gestaltung, so dass jeder Saal ein eigenes Gesicht erh\u00e4lt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-732 alignleft\" src=\"https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/marienstift.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"127\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Marienstift Bad T\u00f6lz<\/span><\/p>\n<p>Das der italienischen Renaissance verpflichtete Wohnhaus Franz von Lenbachs (das heutige bedeutende Museum Lenbachgalerie, 1887), das in der Tradition einer Villa suburbana nach florentinischen Mustern geplant wurde, das Wohnhaus Kaulbachs, das K\u00fcnstlerhaus am Lenbachplatz (1896-1900), die St.-Anna-Kirche im Lehel (1887-92), die erstmalig romanische Formen aufgreift, dabei aber doch durch die bewegte Gruppierung der Bauteile eine sehr zeiteigent\u00fcmliche malerische Haltung zeigt, das Karlstor-Rondell, die Ruffinih\u00e4user am Rindermarkt, die Rupertuskirche, das Palais Schrenck-Notzing, das Haus B\u00f6hler und nicht zuletzt das Deutsche Museum sind weitere markante Bauten in M\u00fcnchen, die die Stadt Gabriel von Seidl verdankt, wobei, wie schon im Fall des T\u00f6lzer Kurhauses, das Deutsche Museum von Gabriel von Seidl nicht mehr vollendet werden konnte. Hier wie dort f\u00fchrte sein Bruder Emmanuel von Seidl den Bau zu Ende.<\/p>\n<p>Aber auch \u00fcber M\u00fcnchen hinaus setzte Gabriel von Seidl bauliche Akzente. So ist der Westfl\u00fcgel des Schlosses Neubeuern sein Werk (1904). Das im Kern gotische Rathaus von Schrobenhausen wurde von ihm neugestaltet, so dass sein gro\u00dfer Saal Platz bot f\u00fcr die Gem\u00e4lde des gro\u00dfen Sohnes von Schrobenhausen, Franz von Lenbachs. Das Alte Rathaus in Ingolstadt wurde 1882 von Gabriel von Seidl in Formen der deutschen Renaissance errichtet, ebenso wie das Neue Rathaus in Bremen (1910-14). Schlie\u00dflich soll noch das historische Museum der Pfalz in Speyer erw\u00e4hnt werden, weil Gabriel von Seidl mit diesem Bau neue Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Museumsgestaltung allgemein setzte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-733 alignleft\" src=\"https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/ober2_kl.jpg\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"135\" \/>Wenn ein Gymnasium sich einen Namen gibt, dann sollte dieser nat\u00fcrlich mit dazu beitragen, dass der Name des Geehrten einem weiteren Kreise bekannt wird als zuvor. Es sollte aber auch ein Bezug zum Schulort, wie er im Falle Gabriel von Seidls ganz offensichtlich gegeben ist, vorhanden sein. Schlie\u00dflich, und das ist sicher das Wichtigste, sollten sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums und alle anderen, die an ihm wirken, mit dem Namen identifizieren k\u00f6nnen und in ihm einen in der einen oder anderen Weise vorbildhaften Charakter erkennen.<\/p>\n<p>Eberhard Hempel schreibt in seiner Geschichte der deutschen Baukunst (M\u00fcnchen 1949): Das Beispiel Gabriel von Seidls beweist, da\u00df auch ein Eklektizismus, der sich verschiedenartige Vorbilder w\u00e4hlt, Lebendiges schaffen kann, wenn sich der Architekt in das Wesen und die Sch\u00f6nheit alter Bauten tief versenkt und zugleich die besonderen Aufgaben seines Werks erkennt. Scheinbar m\u00fchelos beginnen unter seinen H\u00e4nden die alten Melodien, um die sich Jahrzehnte vergeblich bem\u00fcht haben, wieder zu erklingen. Ist schon die Arbeitsauffassung und ethische Grundhaltung, die hier Gabriel von Seidl attestiert wird, vorbildlich auch f\u00fcr eine heutige Sch\u00fclerschaft, so sind doch andere Facetten des Lebenswerks von Gabriel von Seidls noch viel mehr geeignet, ihn zum Patron eines Gymnasiums und damit der Jugend in der heutigen Zeit zu ernennen. Zeit seines Lebens hat Gabriel von Seidl f\u00fcr den Erhalt positiver Traditionen und damit der Identit\u00e4t seiner bayerischen Heimat gek\u00e4mpft. Als Mitbegr\u00fcnder des Bayerischen Vereins f\u00fcr Heimatpflege gelang es ihm, die Zerst\u00f6rung von Kleinst\u00e4dten und D\u00f6rfern zu verhindern, die anderenfalls Opfer von Spekulationsinteressen oder auch nur des Unverstands von Gemeinder\u00e4ten geworden w\u00e4ren, eine Entwicklung, die wir aus der Gegenwart nur zu gut kennen, wo Orte um kurzfristiger Profite willen auf Dauer baulich entstellt werden oder zu leblosen Schlafsiedlungen verkommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-734 alignleft\" src=\"https:\/\/www.gym-toelz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/ober3_kl.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"120\" \/>Seidl war auch Mitglied zahlloser Jurys bei Wettbewerben f\u00fcr Repr\u00e4sentationsbauten auch weit au\u00dferhalb Villa Oberhof Bayerns. Viele Baus\u00fcnden konnten durch sein Votum verhindert werden. Als Denkmalpfleger machte er sich ebenfalls einen anerkannten Namen. Schlie\u00dflich beweist er seine Aktualit\u00e4t und den Vorbildcharakter seines Wirkens durch seine Aktivit\u00e4ten als Natursch\u00fctzer. Er gr\u00fcndete den Isartalverein, der es sich zum Ziel setzte, das Isartal vor den Spekulationsinteressen der Wirtschaft und reicher Privatleute zu retten. Indem er einflussreiche und finanziell gut gestellte M\u00e4nner um sich scharte, konnte der Verein Grundst\u00fccke entlang der Isar so gezielt aufkaufen, dass sie den Bauabsichten von Privatleuten entzogen, der Allgemeinheit als Erholungsgebiet erhalten und im urspr\u00fcnglichen Naturzustand belassen werden konnten &#8211; ein Verdienst Gabriel von Seidls, das man angesichts der heute allseits bedrohten Natur nicht hoch genug sch\u00e4tzen kann.<\/p>\n<p><em>Dr. Potansky<\/em><\/p>\n<h5>Lebenslauf<\/h5>\n<p><strong>1. Herkunft und Eltern<\/strong><br \/>\nDie Familie Seidl hat ihre Wurzeln in Gro\u00dfdingharting, s\u00fcd\u00f6stlich von M\u00fcnchen.<br \/>\nGabriel von Seidl wird am 9.12.1848 in M\u00fcnchen geboren. Zeitlebens ist Seidl stolz auf seine b\u00e4uerliche Abstammung, in der er noch Ungebrochenes und Unverdorbenes sieht.<br \/>\nDer Vater:<br \/>\nSein Vater Anton Seidl war ein angesehener B\u00e4ckermeister, sehr belesen und gebildet. In seiner Gemeinde wurde er sogar Magistratsrat. Er sch\u00e4tzte den Umgang mit K\u00fcnstlern, welche er auch f\u00f6rderte. Hieraus entsteht auch der Wunsch Gabriels Maler oder K\u00fcnstler zu werden.<br \/>\n1868 stirbt der Vater an den Folgen eines Unfalls.<br \/>\nDie Mutter:<br \/>\n\u00dcber seine Mutter ist wenig bekannt; durch sie entstand die wichtige verwandtschaftliche Beziehung zu Sedlmayr. Sie starb 1898.<br \/>\nDer Bruder:<br \/>\nUnter den Geschwistern ist wohl Emanuel von Seidl der bedeutendste. 1855 geboren wird er wie Gabriel auch Architekt und arbeitet bis 1888 in dessen B\u00fcro mit, bevor er eigene Wege geht. Er gilt als der weltm\u00e4nnisch gewandtere. Emanuel von Seidl vollendete die Baustelle des Deutschen Museums und verstarb 1919.<\/p>\n<p><strong>2. Schule und Studium<\/strong><br \/>\nDas Gymnasium interessiert ihn nicht sehr, vielmehr die halb verfallene Stadtbefestigung und Architektur um ihn herum. Dies hat zur Folge, da\u00df er die Schule verlassen mu\u00df. \u00dcber die Gewerbeschule, einen vorbereitenden Kurs f\u00fcr die Polytechnische Schule und eine Schlosserlehre im Maffei-Werk in der Hirschau kommt er nach dem Willen des Vaters zum Ingenieurstudium.<br \/>\nNach dem Tod des dominanten Vaters 1868 sieht sich Gabriel von Seidl nun in seiner beruflichen Ausrichtung freier und will Architekt werden, um seine eigentlichen Jugendtr\u00e4ume verwirklichen zu k\u00f6nnen.<br \/>\n1870 meldet er sich freiwillig zu den Fahnen und k\u00e4mpft in der Artillerie in der Batterie Stadelmann. 1871 kommt er mit Auszeichnungen und als Leutnant zur\u00fcck, so dass er erst 1874 sein Studium beendet.<br \/>\nAm 03.06.1890 heiratet er Franziska Neunzert, eine F\u00f6rstertochter aus Hepberg bei Ingolstadt.<br \/>\nMit ihr hat er zwei S\u00f6hne und zwei T\u00f6chter. Ludwig von Seidl wird Architekt wie sein Vater.<\/p>\n<p><strong>3. Erste praktische T\u00e4tigkeit<\/strong><br \/>\nBevor er 1879 den ersten Auftrag f\u00fcr das Deutsche Haus bekommt, ist er zwischenzeitlich als Bauleiter t\u00e4tig und besch\u00e4ftigt sich mit Raumausstattung.<br \/>\nIm Jahre 1876 beeindruckt er in der Ausstellung &#8222;Unser V\u00e4ter Werk&#8220; mit seinem &#8222;Deutschen Zimmer&#8220;. Er trifft mit der Butzenscheiben-H\u00e4uslichkeit genau den Zeitgeschmack und es folgen viele Auftr\u00e4ge.<br \/>\nIn der Folgezeit entstehen die so pr\u00e4genden Freundschaften zu einflussreichen K\u00fcnstlern, wie Franz von Lenbach, L.Gedon oder Rudolf von Seitz. Er bezeichnet sie sp\u00e4ter einmal selbst als seine wahren Ausbilder.<br \/>\nMit von Seitz gr\u00fcndet er 1877 ein M\u00f6belwerkstatt; es entstehen billige, aber formsch\u00f6ne Gebrauchsm\u00f6bel. (u.a. sog. Allotriastuhl)<br \/>\n1879 erh\u00e4lt er von seinem Onkel Gabriel von Sedlmayr den Auftrag f\u00fcr ein Mietshaus Ecke Sophienstra\u00dfe \/ Karlsplatz, zeitgleich beginnt er sein eigenes Anwesen an der Marsstra\u00dfe umzusetzen.<br \/>\n1900 baut er sich sein Landhaus in T\u00f6lz, was sein zunehmendes Streben nach einem einfach, nat\u00fcrlichen Leben deutlich werden l\u00e4sst. Seidl wird des gro\u00dfst\u00e4dtischen Kunstbetriebs m\u00fcde.<\/p>\n<p><strong>4. Gabriel von Seidls Reisen<\/strong><br \/>\nNeben zahlreichen Fahrten innerhalb Deutschlands unternimmt er auch einige gr\u00f6\u00dfere Reisen, die sein Schaffen beeinflussen sollten.<br \/>\n(1) 1876 \/ 77 nach Rom, wobei erst sp\u00e4ter in den 80er Jahren der Einfluss der italienischen Renaissance in seinen Bauten zu sp\u00fcren ist. Seidl kommt mit dem Weilheimer Kalktuff dem r\u00f6mischen Travertin am n\u00e4chsten.<br \/>\n(2) 1900 nach Wien, der Ehrensaal des Deutschen Museums soll an das Palais Schwarzenberg erinnern.<br \/>\n(3) 1907 nach Paris, f\u00fcr die Bauvorhaben des Deutschen Museums und des Bayerischen Nationalmuseums h\u00e4lt er sich hier f\u00fcr einen Kurzbesuch auf.<br \/>\n(4) 29.8.- 9.9.1907 Mit einer Studiengruppe des Deutschen Museums nach Paris, Br\u00fcgge und London.<br \/>\n(5) Seine weiteste Reise nach Nordamerika, um Bibliotheken und Laboratorien zu studieren schafft er 1912 aufgrund seines Krebsleidens nicht mehr. Er stirbt am 27.04.1913 in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><strong>5. Seidls Eintreten f\u00fcr die Denkmalpflege<\/strong><br \/>\n(1) Er wendet sich 1906 mit einer Petition an die Regierung. Zusammen mit anderen K\u00fcnstlern setzt er sich f\u00fcr den Erhalt der alten Mauthalle, der ehemaligen Augustinerkirche an der Neuhauser Stra\u00dfe ein. Nach dem Vorbild der N\u00fcrnberger Mauthalle soll sie dem Kunstgewerbe f\u00fcr Ausstellungszwecke Raum bieten.<br \/>\n(2) Auf seine Initiative hin wird der Isartalverein 1905 ins Leben gerufen. Es ist dies der entscheidende Schlag gegen die wuchernde Bodenspekulation im Isartal. Nach dem franz\u00f6sischem Vorbild &#8222;Lex Beauquir&#8220; werden mit Spendengeldern Grundst\u00fccke aufgekauft und so vor der Spekulation bewahrt. Am Steilufer bei Pullach setzte der Verein seinem Initiator ein Denkmal.<br \/>\n(3) 1907 wollte die Oberste Baubeh\u00f6rde den Walchensee um 16m absenken, um mit Wasserkraft Energie zu gewinnen. Die Isar und der Ri\u00dfbach sollten zur Kompensation in den See geleitet werden. Die Folge w\u00e4re ein Trockenfall des Isarbetts von Wallgau bis Wolfratshausen gewesen. Seidl verhinderte durch seine Initiative dieses nur auf Profit ausgerichtete Projekt gl\u00fccklicherweise.<\/p>\n<p><strong>6. Seine Arbeitsweise und Mitarbeiter<\/strong><br \/>\nWie auch Lenbach umgibt er sich mit alten Stichen und Fotografien, um daraus zu sch\u00f6pfen, wie auch sein eigenes Werk zu kontrollieren. Im Detail ist er ungeheuer sicher und arbeitet schnell, ebenso bei Pr\u00e4sentationen und Perspektiven.<br \/>\nErst nach Rohbaufertigstellung legt Seidl die endg\u00fcltigen Gestaltungen fest.<br \/>\nGearbeitet wird im B\u00fcrohaus im Garten in der Marsstra\u00dfe, eine Art Familienbetrieb.<br \/>\nTrotz der hohen Auftragslage besch\u00e4ftigt er am Ende nur 5-7 Architekten. Seine rechte Hand ist seit 1884 Heinrich Kronberger. Dieser h\u00e4lt Seidl den R\u00fccken frei, damit er sich um die Entw\u00fcrfe k\u00fcmmern kann.<br \/>\nDie namhaftesten B\u00fcromitarbeiter waren 1892\/93 Theodor Fischer und Franz Schumacher.<\/p>\n<p><strong>7. Die Bedeutung Seidls und die Wirkung seiner Werke<\/strong><br \/>\nIn den 70er Jahren baut Seidl im Stil der deutschen Renaissance. Mitte der 80er Jahre zeigt sich deutlich der Einfluss der italienischen Renaissance, v.a. an der Lenbach- und der Kaulbach-Villa. Seidl bezieht alle K\u00fcnste in seine Werke mit ein. Die Malerei beeinflusst durch Franz von Lenbach, die Plastik durch Adolf von Hildebrand.<br \/>\nNach der Jahrhundertwende ist sowohl eine deutliche Neigung zum Neoklassizismus zu erkennen (Palais Schrenck-Notzing), wie auch die gewohnte Gestaltung (Ruffinih\u00e4user).<br \/>\nDurch seine Ablehnung allen Akademischen wollte er auch nie Lehrer sein. Alle haben von ihm gelernt, aber keiner ist von ihm unterrichtet worden.<br \/>\nEin deutliches Ende seiner Schaffenszeit f\u00e4llt mit dem Beginn des ersten Weltkriegs zusammen.<\/p>\n<p><em>Thomas Dr\u00e4xl<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriel von Seidl Dem Namensgeber des T\u00f6lzer Gymnasiums verdankt die Stadt Bad T\u00f6lz in ganz entscheidenden Teilen ihr heutiges Gesicht. 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